ansichten

 

Um einen Menschen kennen zu lernen gibt es meiner Ansicht nach kaum eine bessere Möglichkeit, als seine Meinung zu vielen Themen zu kennen. Auch wenn Ansichten nicht alles sind, was einen Menschen ausmachen, ist eine Summe von Meinungen doch sehr aussagekräftig.

Amerika
Die USA gelten für viele als Land der Freiheit. Für mich ist es in erster Linie das Land der wirtschaftlichen Freiheit. Gesellschaftlich, d.h. durch verquere Moralvorstellungen und einen übermächtigen Überwachungsstaat, tut sich der Staat in Freiheitsfragen oftmals als Entwicklungsland hervor.

Bildungswesen
Bildung und Ausbildung könnte meiner Ansicht nach die großen deutschen Standortfaktoren der Zukunft sein. Stattdessen nimmt der Staat in diesem Bereich an allen Ecken und Enden Einsparungen vor - diverse Förderungsprogramme können dabei über das Gesamtbild nicht hinwegtäuschen. Warum? Der Bildungsinfrastruktur fehlt eine starke Lobby, vor allem deshalb, weil sie staatlich ist. Der Lösungsansatz wäre, das Bildungssystem in sich wettbewerbsfähig zu machen durch Bildungsgutscheinsysteme und Aufhebung des Beamtenstatus für Lehrer, damit diese sich endlich in vernünftigem Maß für gute Arbeitsbedingungen laut einsetzen dürfen.

Bürokratie
Bürokratie ist ein notwendiges Übel großer staatlicher Strukturen. Um ein Übermaß an Bürokratie zu vermeiden und somit ein größtmögliches Maß an persönlicher Freiheit zu sichern muss der Staat sich folgerichtig so weit als möglich auf seine hoheitlichen Aufgaben beschränken um Behördenwildwuchs zu vermeiden.

Demokratie
Die Herrschaft des Volkes in der in Deutschland existierenden Demokratie ist leider viel zu oft eine Herrschaft wechselnd zwischen Gleichgültigkeit und Empörung. Wer will, dass sich in der Politik etwas ändert, muss selbst etwas dafür tun. Die Demokratie bietet hierfür die Möglichkeit. Natürlich ist Politik immer Lobbyismus, aber man kann sich selbst zur Lobby machen - den andern Lobbies kann man nicht vorwerfen, dass sie das Beste für sich wollen-

Deutschland
Deutschland ist ein Land, dass immer noch in einer Identitätskrise steckt. Auch wenn ich es begrüßenswert finde, dass die meisten Deutschen sich mehr als Europäer fühlen als ihre Nachbarn, so ist der Grund dafür eindeutig: Das Unvermögen auf Deutschland stolz zu sein. Schließlich und endlich gilt aber das selbe auf nationaler wie auf persönlicher Ebene: Wer sich nicht selbst lieben kann, wird nie andere wirklich lieben können. Aus Selbsthass und Selbstverleugnung entsteht Hass auf andere. Die Kunst liegt darin zu versuchen alles an diesem Land zu lieben und nicht selektiv vorzugehen - zu erkennen, wie das eine das andere bedingt und dann zu versuchen alles noch ein bisschen besser zu machen.

Dichtung
Poesie ist die Kunstform, die zwei Dinge miteinander besser verbinden kann als jede andere: Klare Aussage und Emotion. Gesang ist meiner Ansicht nach hur eine Variante der Poesie, wenn auch eine besonders interessante und schöne.

Diskutieren
Das wichtigste Recht des Menschen - da halte ich es mit Hume - ist das der Meinungsfreiheit. Nur in dem Moment in dem wir - ungeachtet von political correctness - frei diskutieren, nehmen wir den anderen auch Ernst.

Egozentrismus, Ignoranz und Intoleranz
Ignoranz und Intolleranz gehören meiner Ansicht nach untrennbar zusammen: Intoleranz ist die größte Ignoranz und beide werden geboren aus dem Irrglauben, dass die Welt objektivierbar sei und man selbst egozentrischerweise kraft seiner Herrlichkeit in Besitz der Wahrheit wäre. 

Essen
Ein gutes Essen kann eines der größten Vergnügen überhaupt sein.

Europa
Europa als Bundesstaat ist ein Traum, den wir in Angriff nehmen sollten. Wichtig ist dabei jedoch die Reihenfolge der Maßnahmen die wir ergreifen: Erst die Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips im Ministerrat, danach eine Vereinheitlichung des europäischen Wahlsystems mit mehr Kompetenzen für das Parlament, anschließend die Erweiterung der Union und die Aufstellung eines Grundrechtekatalogs. Das Gefährlichste aus meiner Sicht ist es, diese Maßnahmen in der falschen Reihenfolge anzugehen.

Feinde
Feinde sind eine beinahe ebenso wertvolle Institution wie Freunde. Sie erhalten einen wachsam und helfen einem so Fehler zu vermeiden. Trotzdem könnte ich auf sie verzichten.

Freiheit
"Freiheit ist nicht alles aber ohne Freiheit ist alles nichts!" Dieser Satz des Philosophen Hobbes trifft aus meiner Sicht die Sache auf den Kopf. Auch wenn Sartré uns wissen lässt, wir seien zur Freiheit verdammt, so muss es doch unser Ziel sein, unsere rechtlichen Freiheitsräume gegenüber dem 'Phänomen des Anderen', oftmals repräsentiert durch den Staat zu behaupten.

Freunde
Es gibt nichts wichtigeres auf der Welt als Freunde. Dieser Satz ist mir ständig sehr wohl bewusst, auch wenn ich oft nichts mehr schätze, als Zeit für mich selbst und für meine Interessen und Gedanken zu haben.

Geld
Es gibt keinen Grund Geld zu verteufeln: Es hat seinen praktischen Nutzen und aus diesem Grund hat es sich rechtmäßig seinen Platz erkämpft. Wenn wir uns von ihm versklavt fühlen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass es nur so viel Macht über uns hat, wie wir bereit sind ihm einzuräumen. Da Geld ist nie das eigentliche Problem, gefährlich wird es jedoch dann, wenn es für uns zur 'Bio-Überlebensprägung' wird, wie Wilson sagt; um dies zu vermeiden müssen wir uns der Funktion des Geldes bewusst bleiben und dementsprechend mit ihm umgehen: Geld ist Transfergut gesellschaftlicher Freiheit und Freiheit gibt es im Zweifelsfall nicht umsonst, man muss bereit sein, für sie einzustehen.

Gleichberechtigung
Gleichberechtigung ist ein notwendiger Bestandteil einer freien Gesellschaft und doch muss davor gewarnt werden, dass Gleichberechtigung auch die Übernahme gleicher Pflichten bedeutet. Andererseits ist es ebenfalls falsch anzunehmen, dass Gleichbehandlung von oben angeordnet werden kann, der Staat kann höchstens Verstöße ahnden. Maßnahmen wie Quotenregelungen verfehlen das Ziel und führen oftmals zu Ungleichbehandlung. Das Verständnis für die Notwendigkeit von Gleichberechtigung muss aus der Gesellschaft selbst kommen. Leider ist dies ein Prozess der noch lange nicht abgeschlossen ist und vielleicht auch nie sein wird, denn eins dürfen wir nicht vergessen: Es gibt Unterschiede, sie zu leugnen wäre kontraproduktiv. Gleichheit darf nicht zur Ideologie verkommen: Das Individuum braucht die Möglichkeit sich frei zu entfalten, dies ist wichtiger als Gleichmacherei.

Globalisierung
Globalisierung hat viele Aspekte in Kultur, Politik und Wirtschaft. Vor den Kulturellen habe ich keine Angst: Kultur muss dynamisch sein und Kulturen müssen sich gegenseitig befruchten, damit sie lebendig bleiben; dass die daraus entstehenden Produkte auch mir oftmals nicht gefallen, kann nicht darüber hinwegtäuschen dass jeder Versuch meine Maßstäbe der Masse aufzudrücken diktatorisch und 'kulturimperialistisch' wären. Lässt man Kultur ihren freien Lauf, ist sie der demokratischste Prozess den es gibt und die Globalisierung ein Katalysator, der uns vielleicht manchmal dadurch überfordert zu welchen Geschwindigkeiten er in den Reaktionen führt, die Reaktion aber erst interessant macht. Wirtschaftlich betrachtet ist die Globalisierung primär ein Segen: Die Märkte werden größer, offener, freier und interessanter, zugleich lauert jedoch eine Gefahr: Die (zumindest derzeit noch weitgehend) unkontrollierte Bildung von Kartellen und Monopolen auf internationaler Ebene. Politisch betrachtet ist die Globalisierung eine große Herausforderung. Wichtig ist hier vor allem die Reihenfolge der Maßnahmen weniger als die Geschwindigkeit. Wenn ich  einen Blick auf die 'Mini-Globalisierung' EU werfe erscheint es mir wichtig Vertiefung vor Erweiterung zu stellen: Das  Einstimmigkeitsprinzips im EMR ist schon heute ein kritischer Faktor, bei weiteren Mitgliedsstaaten könnte die Beibehaltung zur Lähmung des Systems führen. Auch die Demokratisierung der Union in Bezug auf die Ausweitung der Kompetenzen des EP muss der Einführung eines Grundrechtekatalogs und dessen Einklagbarkeit auf EU-Ebene vorhergehen. Und was im Kleinen gilt (EU), gilt auch im Großen.

Gesetze
Gesetze regeln das Zusammenleben der Menschen untereinander. Doch Gesetze sind für die Menschen da und nicht die Menschen für die Gesetze. Aufgabe der Politik ist es sich zu fragen, "ist dieses Gesetz verhältnismäßig in den Bezug auf den Grad in dem es die Freiheit einschränkt?" und an diese Prüfung strenge Maßnahme anzulegen. Ich kenne die Verführungskraft der Vorstellung ein Problem durch eine Regelung aus der Welt schaffen zu wollen, doch oftmals schafft eine Regel auch zwei neue Probleme. Wird ein System zu komplex läuft es Gefahr zu inflexibel zu werden und sein eigenes Todesurteil zu schreiben: Inflexibilität wird von der Evolution auf lange Sicht immer bestraft.

Gesundheit
Ich unterliege dem systematischen Defekt an meine Gesundheit immer erst dann einen Gedanken zu verschwenden, in dem Moment, in dem sie bedroht ist. So sehr ich mich manchmal darüber ärgere, hat diese Einstellung doch System: Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Leben, welches zu sehr darauf angelegt ist die Gesundheit zu bewahren, im Krisenfall einer Krankheit viel weniger gewachsen ist. Vielleicht ist das auch nur eine Ausrede gegenüber mir selbst, doch ich kann damit leben.

Gewalt
Das Phänomen und die Gefahr die von Gewalt ausgeht, verdeutlicht sich für mich in einem Satz aus einem meiner Gedichte: "Gewalt ist kein Weg und führt doch zum Ziel." Ich befürchte deshalb dass wir die Gewalt als großes gesellschaftliches Problem nie vollends werden abstreifen können, sie ist oft einfach zu erfolgreich und vor allem schneller erfolgreich als der Weg der Diplomatie, wir werden uns also damit abfinden müssen, Mittel und Regeln zu besitzen, um ihr zu begegnen.

Glück und Unglück
Glück und Unglück sind letztendlich Produkte des Individuums. Wenn wir deren Ursachen auf unsere Umwelt verweisen, bezeichnen wir nur deren Auslöser, die wahren Ursachen liegen in uns selbst verborgen. Angesichts dieser Erkenntnis ist es ein harter Weg sich immer wieder selbst zu hinterfragen: "Warum bin ich unglücklich?", denn dies ist eine Frage, die man sich selbst oft nicht nur nicht eingesteht sondern manchmal auch gar nicht erfährt.

Gott
Wenn Nietzsche sagt, "Gott ist tot!" dann gebe ich ihm recht: Er hat nie gelebt! Das sollte uns jedoch nicht dazu verleiten, seine Existenz zu verleugnen. Dadurch, dass Menschen an etwas glauben, speziell an ein Konzept wie Religion, dadurch lassen sie viele Aspekte ihres Handelns und Denkens bestimmen. Wir werden also mit der Vorstellung Gottes konfrontiert, egal wie wir selbst zu ihr stehen mögen, folglich wäre es töricht zu verneinen ohne zu differenzieren.

Humor, Ironie und Sarkasmus
Humor spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben, wenn auch oftmals nur im Kleid von Ironie oder Sarkasmus.  Für mich ist die ultimative Form der Abendunterhaltung deshalb nicht der Weg ins  Kino oder der Diskobesuch sondern das Kabarett. Humor ist das Mittel, der Welt die Klauen und Reißzähne für kurze Zeit zu ziehen.

Icarus
Für mich ist Icarus nicht der ungehörige Sohn, der als mahnendes Beispiel herhalten sollte. Vielmehr war Icarus ein Träumer, jemand der großes wollte und ein Risiko in Kauf nahm, das er stürzte macht seine Geschichte tragisch und erinnerungswürdig, ebenso die Trauer seines Vaters, doch sollte diese nicht dem Ungehorsam, sondern dem scheitern gelten. Icarus ist ein Symbol für das Streben nach Freiheit nach eigenen Zielen, ein Symbol für einen jugendlichen (Über)mut den ich manchmal an mir selbst misse.

Illumination
...oder Erleuchtung ist für mich keine hohle Phrase sondern ein Ziel an dem ich ständig arbeite erreichbar in der Selbsterkenntnis und dem 'So sein und werden wie ich bin'. Ich glaube nicht daran, dass es sich hierbei um ein endgültig erreichbares Ziel handelt. So schwer wie man Momente des Ruhens in sich selbst findet, so leicht verliert man sie auch wieder. Das Leben und auch die Erleuchtung sind ein ständiger Kampf und es ist ein Irrtum zu glauben, dass man immer und jederzeit die Kraft hat ihn zu führen.

Intelligenz
Intelligenz ist das Erkennen des Erkennens des Erkennens des Erkennens usf. Sich im Besitz endgültiger Wahrheiten zu wähnen ist egozentrisch und ignorant. Ich persönlich habe mir als Aufgabe gesetzt meine Ansichten stets aufs Neue zu hinterfragen und gegebenenfalls zu korrigieren - Es gibt keine objektivierbaren Wahrheiten folglich sind Offenheit für Neues, Flexibilität und das Erkennen, Hinterfragen und Anpassen von Strukturen wichtige Bestandteile der Intelligenz auf die ich mein Hauptaugenmerk richte: Wissen und das Studium von Kunst, Kultur und Wissenschaften ist das Werkzeug mit dem ich arbeite. Leider ertappe auch ich mich immer wieder dabei in die Bequemlichkeit in bestimmte Denkstrukturen zurückzuverfallen.

Internet
Auch wenn ich mehr vom Internet verstehe als die meisten Leute die ich kenne, weiß ich doch, dass mein Wissen mehr als unzureichend ist. Zu glauben, dass das Internet herkömmliche Medien oder Schule ersetzen könnte, halte ich jedoch zumindest derzeit für eine gefährliche Illusion: Das Bildungsmodell Bill Gates geht nicht auf - der Spieltrieb des Kindes ist größer als sein Lernwille und Anleitung ist deshalb wichtig, doch das gehört nicht hierher. Wenn wir das Internet benutzen muss uns klar sein, dass die hier präsentierten Materialen allzu oft, viel öfter als in der Literatur, nur völlig unzureichend hergeleitet und empirisch gesichert sind. Das Internet ist ein Spielzeug: Zugegebenermaßen oftmals ein sehr Nützliches. Das Schöne daran ist, dass es Menschen zusammenführen kann, die sonst nie zusammenfinden würden.

to be continued...

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